Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry ist den meisten nur bekannt durch seine märchenhafte Erzählung „Der kleine Prinz“. Dieser Schriftsteller aber fühlte sich als Teil einer langen Überlieferung und dachte, wie selbstverständlich, patriotisch – heimat- und volks-verbunden. Für diesen hoch geschätzten französischen Schriftsteller war Kultur kein bloßer Zufall. Dieser Kultur-Schaffende definierte seine Kultur als „eine Erbmasse von Glauben, Gewohnheiten, und Erkenntnissen, die, langsam im Lauf von Jahrhunderten erworben, wurden“. Und der Kultur-Schickeria von heute schreibt er, damals unter den Eindrücken der deutschen Besatzung, ins Stammbuch: „Wichtig ist, das geistige Erbe zu retten, ohne welches das Volk seiner Seele beraubt wäre. Wichtig ist, das Volk selbst zu retten, ohne welches die Seele verlorenginge. Ich will, dass mein Volk besteht — geistig und leiblich —, wenn der neue Tag anbricht. Um zum Wohle meines Landes zu handeln, muss ich jeden Augenblick meine ganze Liebe in diese Richtung werfen.“
„Zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens wird es Krieg geben.“ Das ist keine düstere Prophezeiung eines ewig Gestrigen, eines bösen Rechtsextremen – das ist ein Zitat des gefeierten Dramatikers und Schriftstellers Botho Strauß, veröffentlicht 1993 im Nachrichtenmagazin „Spiegel“.
Der Autor beschreibt, was unausweichlich kommen musste: Zwischen jenen, die an ihrer althergebrachten Art, an ihrer Tradition, ihrer Überlieferung, an ihrer Heimatverwurzelung festhalten, ja sich festklammern wollen, und jenen, die all das – wie er so treffend sagt – abservieren und auslöschen wollen, muss er zur Konfrontation, zur klärenden Auseinandersetzung kommen.

Früher war es völlig normal, dass man sich als Europäer einer lange überlieferten Tradition erfreute, sich zur Heimat und ihrer Geschichte bekannte und diese notfalls verteidigte. Martin Heidegger sagte im legendären Spiegel-Interview 1976: „Nach unserer menschlichen Erfahrung und Geschichte, soweit ich jedenfalls orientiert bin, weiß ich, dass alles Wesentliche und Große nur daraus entstanden ist, dass der Mensch eine Heimat hatte und in einer Überlieferung verwurzelt war.“ Der französische Star-Autor Michel Houellebecq schreibt zu unserer heutigen, von allen Überlieferungen abgenabelten Zeit: „Wenn ein Mensch akzeptiert, dass sich immer alles ändern wird, dann erkennt er, dass sein Leben nur auf die Summe seiner eigenen Erfahrung reduziert ist; vergangene und zukünftige Generationen bedeuten ihm nichts. So leben wir heute.“ Aber was ist die Konsequenz, wenn ich aus dem Nichts komme und in das Nichts gehe. Wenn mir vergangene und künftige Generationen nichts bedeutet. Wir erleben es dramatisch: die Welt wird ausgebeutet binnen einer Generation, sie wird umgekrempelt, umgewühlt, verändert, zum Kollaps gehetzt.